Bundestagswahl: Zur Wiedervereinigung in die CDU

1. September 2017

Norbert Altenkamp sieht sich katholisch-konservativ geprägt / Als Bürgermeister Pragmatiker

MAIN-TAUNUS – Es war im März 1990, als Norbert Altenkamp, damals gerade mal 17 Jahre alt, in die CDU eintrat. Deutschland erlebte die Wiedervereinigung, „da wollte man Teil des Ganzen sein“, sagt der heute 45-Jährige im Rückblick. Und für ihn sei die CDU die Partei der Wiedervereinigung gewesen.

Schon im Elternhaus wurde er katholisch-konservativ geprägt, erzählt der Bad Sodener Bürgermeister und Direktkandidat der CDU für den Bundestag im Main-Taunus. In Marl (im nördlichen Ruhrgebiet gelegen) wuchs Norbert Altenkamp hinein in die katholische Jugendarbeit und war Messdiener. Mit 14 dann die erste Fahrt nach Taizé: Die internationalen ökumenischen Jugendtreffen in Frankreich begeisterten den Jugendlichen so sehr, dass er in den folgenden Jahren elf Mal dorthin fuhr. „Das hat mir diese Prägung hin zum Ökumenischen gegeben“, sagt Altenkamp heute. Und er habe dort erlebt, was Europa bedeutet. Beides bildete ein „Fundament, das mich bis heute trägt“.

NORBERT ALTENKAMP

  • Geboren am 27. Juli 1972 in Marl (Nordrhein-Westfalen).
  • Nach dem Abitur folgt Ausbildung zum Bankkaufmann.
  • Studium der Volkswirtschaftslehre von 1995 bis 2000 in Münster.
  • 2000 bis 2003 in der Kreisverwaltung Recklinghausen, zuletzt als Fachreferent für Wirtschafts- und Strukturpolitik.
  • Seit März 2004 hauptamtlicher Bürgermeister von Bad Soden.
  • Mitglied der CDU seit 1990
  • CDU-Kreistagsabgeordneter und Vorsitzender des Haupt- und Finanzausschusses
  • Vorsitzender der CDU-Fraktion im Regionalverband Frankfurt Rhein Main.
  • Verheiratet, zwei Kinder. (ah)

Fachreferent für Wirtschafts- und Strukturpolitik

Nach der Realschule gab es in der Stadt im Ruhrgebiet damals eigentlich nur drei Möglichkeiten, erinnert sich Altenkamp: Entweder ging man in die Zeche oder zu den Chemischen Werken Hüls oder man machte Abitur. Für Letzteres habe er sich entschieden, und schloss eine Lehre bei der Dresdener Bank in Essen an. Auch das habe ihn geprägt, erzählt er, denn dort sei er „etwas desillusioniert“ worden. „Ich wollte ja eigentlich die Leute beraten“ – doch oft standen Vorgaben des Unternehmens im Vordergrund. Also hängte er ein Studium der Volkswirtschaftslehre in Münster dran, Schwerpunkt Öffentliche Verwaltung und Betriebe.

Danach ging es weiter wie am Schnürchen. Die CDU, die bei der Wahl zum Kreistag Recklinghausen gerade gute Ergebnisse erzielt hatte, holte ihn als Fachreferent für Wirtschafts- und Strukturpolitik ins Landratsamt. Es war die Zeit des Zechensterbens und des Strukturwandels im Ruhrgebiet. Und es verging nicht viel Zeit, „da bekam ich einen Anruf aus dem Main-Taunus-Kreis“, erinnert sich der 45-Jährige. Die CDU Bad Soden war auf der Suche nach einem Bürgermeisterkandidaten, der Kontakt war durch den heutigen Hochtaunus-Landrat Ulrich Krebs entstanden. Wieso hatte die starke Main-Taunus-CDU keinen Bewerber aus den eigenen Reihen gefunden? Es stehe ihm nicht zu, das zu beurteilen, sagt Altenkamp. Jedenfalls habe er ein Dreivierteljahr lang einen „Distanzwahlkamp“ geführt und sich dann im Herbst 2003 mit über 63 Prozent der Wählerstimmen gegen drei einheimische Mitbewerber durchgesetzt. Seither wurde er zwei weitere Male mit guten Ergebnissen wiedergewählt: „Man könnte sagen, der Mann ist direktwahlfähig“ sagt Altenkamp deshalb über sich selbst auch im Hinblick auf die Bundestagswahl. Die Chancen stehen ohnehin gut.

Seit über 40 Jahren hat der dienstälteste Bundestagsabgeordnete Heinz Riesenhuber (CDU) den Wahlkreis 181 bisher immer direkt für sich gewonnen. Über seinen Listenplatz 21 macht sich Altenkamp deshalb auch gar keine Gedanken. Er habe von vorneherein gesagt, er wolle direkt gewählt werden, „das gibt eine andere Freiheit“. Die Nominierung zum Direktkandidaten im Herbst 2016 war dann allerdings kein Selbstläufer. Der eher dem rechten Spektrum in der CDU zugeordnete Martin Heipertz erzielte weit mehr als einen Achtungserfolg. Norbert Altenkamp sagt von sich: „Ich stehe für die pragmatische Ausrichtung mittendrin“. Als Bürgermeister treffe er jeden Tag auf die Realität, und diese „Realität des täglichen Tuns möchte ich in Berlin einspeisen“. Eine „Frischzellenkur“ von unten könne die Bundespolitik gut vertragen. Thematisch möchte sich Altenkamp im Bundestag gern auf Wirtschaftspolitik konzentrieren. Das sei auch das, was der Wahlkreis erwarte. Gerade vor dem Hintergrund seiner alten Heimat Marl ist für den Volkswirtschaftler klar: „Hier schlägt der wirtschaftliche Herzmuskel“, deshalb könne man im Main-Taunus und Hochtaunus auch mehr gestalten als anderswo.

Und was werden die Bad Sodener sagen, wenn ihr Bürgermeister zwei Jahre nach der Direktwahl 2015 in Richtung Berlin abzieht? Den Vorwurf, dass er hinwerfe, gebe es überhaupt nicht, sagt Altenkamp.

Quelle: Wiesbadener Kurier vom 1. September 2017

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