Höchster Kreisblatt: Heinz Riesenhuber, der mit der Fliege

29. Juli 2017

Nach 41 Jahren verlässt Politiker den Deutschen Bundestag

Heinz Riesenhuber: Der mit der Fliege

VON MARTIN LÜDKE: Heinz Riesenhubers Markenzeichen war und ist der Querbinder. Der langjährige Forschungsminister wird in diesem Jahr 82, doch er ist ein Arbeitstier. Im nächsten Bundestag allerdings wird der Polit-Dino nicht mehr vertreten sein. Ein echter Frankfurter ist er, trotz seines starken bayerischen Akzents: Heinz Friedrich Ruppert Riesenhuber. Seit 1961 ist er Mitglied der CDU, seit 1976 Mitglied des Deutschen Bundestages. Zweimal war er Alterspräsident, elf Jahre lang Mitglied der Bundesregierung als Minister für Forschung und Technologie. Mit Ablauf dieser Legislaturperiode scheidet er aus dem Parlament aus. Im Dezember wird der drahtige, burschikose Mann mit den elastischen Bewegungen 82 Jahre alt. Schwer zu glauben. Noch unglaublicher: Er arbeitet weiter, und zwar ganztags.

Riesenhuber ist eben anders. Anders als die meisten seiner Polit-Kollegen. Trotz eines langen Lebens in der Politik. Das zeigt sich, schon äußerlich, an seiner Fliege. Spätestens bei dem Zusatz „der mit der Fliege“. Seit mehr als einem halben Jahrhundert läuft der Doktor der Chemie mit dem Querbinder herum. Anfangs aus einem praktischen Grund: Brandgefahr.

Fliege gegen Brandgefahr

Denn zu jenen Zeiten, als Riesenhuber studierte, herrschten an den Universitäten andere Sitten. Selbst die Studenten untereinander siezten sich. Und selbstverständlich ging man nicht mit offenem Hemdkragen, sondern mit einer Krawatte um den Hals in Vorlesungen, Seminare oder als Naturwissenschaftler ins Labor. Einen Gutteil seines Studiums hat der junge Riesenhuber in den stinkenden Räumen verbracht, zwischen Reagenzgläsern, Säuren, Basen, Pülverchen – und Bunsenbrennern. Da passierte es anfangs, wenn man sich vorbeugte, um eine Reaktion genauer zu betrachten, dass die Krawatte schneller reagierte als die Materialien, mit denen man hantierte – und lichterloh brannte. Konsequenz: die Fliege. Da konnte nichts mehr passieren.

So ist Heinz Riesenhuber zu seiner Fliege gekommen und hat doch bald gespürt, dass dieses Accessoire zu mehr taugt als nur zur Vermeidung der Brandgefahr. Soziologen sprechen hier von einem Distinktionsmerkmal mit entsprechendem Distinktionsgewinn. Also blieb er bei der Fliege, auch als er längst nicht mehr mit offener Flamme und Chemikalien hantierte, sondern, sesshaft geworden, hinter dem Schreibtisch mit Kosten, Konten und Konzepten agierte.

Die Fliege ist aber, in doppelter Weise, Kennzeichen seiner Herkunft geblieben. Sie verweist, ganz praktisch, auf die Naturwissenschaften, die ihn, sein Denken, auch sein Verhalten, geprägt haben. Und zugleich aufs Gegenteil, seine humanistische Vorgeschichte. Riesenhuber ist am Frankfurter Zoo in die Schule gegangen, ins Gagern-Gymnasium. Das hieß damals: neun Jahre Latein, sechs Jahre Griechisch und, immerhin, vier Jahre Englisch.

Das prägt. Er hat Homer gelesen, Platon und Sophokles, im Original. In zusätzlichen Kursen lernte er noch Französisch und Spanisch, zudem ein Jahr Italienisch. Riesenhuber verfügt über eine beachtliche humanistische Bildung. Und er zehrt nicht, wie viele seiner Artgenossen, von Restbeständen der Schulweisheit. Seine Bibliothek, ebenso umfangreich wie wohlgeordnet, nutzt er stetig und gerne. Brecht-Gedichte sind ebenso schnell zur Hand wie Hermann Hesses „Steppenwolf“ oder Daniel Kehlmanns „Vermessung der Welt“. Und Robert Gernhardt? Den Lokalmatador muss er nicht im Regal suchen, den hat er im Kopf.

Seine Bildung verdankt er der Familie, der Mutter vor allem. Sie waren vier Kinder zu Hause, zwei Jungen, zwei Mädchen, lebten erst im Westend, dann auf dem Sachsenhäuser Lerchesberg. Während des Krieges waren die Riesenhubers auf einen Bauernhof in Dürrnbach am Tegernsee evakuiert. Heinz ging in Gmund zur Schule. Daher rührt sein bayerischer Dialekt. Er selbst hat später mit seiner Frau Beatrix auch vier Kinder bekommen, zwei Jungen, zwei Mädchen, nur in anderer Reihenfolge. Sein Bruder übrigens, Klaus Riesenhuber, ein Jesuitenpater, lebt seit über 45 Jahren in Japan und lehrt an der Sophia-Universität in Tokio Philosophie. Naturwissenschaften hin und her – als ungläubig möchte sich Riesenhuber nicht bezeichnen lassen.

Noch als Schüler begann er zu fotografieren. 1954 gewann er den ersten Preis der „Fotokina“, der auch heute noch bedeutendsten Foto-Messe der Welt. Zur gleichen Zeit arbeitete er auch als Fotograf. „Ich habe der Frankfurter Neuen Presse meine Fotos verkauft.“

Sein Abitur muss übrigens ziemlich gut gewesen sein. Die schlechteste Note war wohl eine Zwei, unter anderem in Sport. Verständlich, dass der junge Riesenhuber schwankte zwischen den brotlosen Künsten und einem handfesten Beruf. Glaubhaft kann er deshalb erzählen, wie schwer ihm die Wahl des Studiums gefallen war. Wohl auch auf Anraten seines Vaters, der Direktor bei der Degussa war, hat er sich für etwas „Praktisches“ entschieden, ohne deshalb zum „Fachidioten“ zu werden. Er entschied sich für Chemie.

Das hinderte ihn aber nicht daran, über den Tellerrand hinauszuschauen. Er besuchte die Seminare von Max Horkheimer, dem Begründer der Kritischen Theorie. Er ging in die Vorlesungen von Theodor W. Adorno, fasziniert von dem funkelnden Intellekt dieses berühmten Philosophen, der schon damals zu einer Attraktion der Frankfurter Universität geworden war. Seine Bewunderung wurde von der Tatsache kaum getrübt, dass er den überaus komplizierten Gedankengängen des Gelehrten nicht immer bis zum Ende folgen konnte. Noch heute erinnert er sich daran, dass Adorno einmal eine seiner diffizilen Argumentationen entwickelte, wie immer frei sprechend. Da rutschte ihm plötzlich ein kleiner Papierstapel vom Pult und verteilte sich gleichmäßig über den Boden. Adorno, klein und etwas dicklich, bückte sich und hob Blatt für Blatt wieder auf – ohne, das ist der Clou, seinen Vortrag zu unterbrechen, ja ohne auch nur ins Stocken zu geraten. Der Satz kam, ganz im Gegenteil, nach einer langen Reihe von Nebensätzen und Einschüben, zu seinem ersichtlich so geplanten Ende.

Als Student zur CDU

Die „Kritische Theorie“ der Frankfurter Schule hat Spuren im Denken des Naturwissenschaftlers Riesenhuber hinterlassen. Adorno proklamierte seinerzeit: „Nur wenn das, was ist, zu ändern ist, ist das, was ist, nicht alles.“ So weit wollte Riesenhuber dann aber doch nicht gehen. Er näherte sich, im Gegenteil, der CDU Konrad Adenauers an, die 1957 die Bundestagswahl mit dem Slogan „Keine Experimente“ gewonnen hatte. 1961 trat Riesenhuber noch als Student in die Union ein. Zeitgleich mit seiner Promotion wurde er Vorsitzender der Jungen Union in Hessen.

Dr. rer. nat.: Promoviert hat Heinz Riesenhuber in Chemie. Das gilt seit jeher als eines der schwierigsten Fächer überhaupt, ist es doch ein extrem langes und intensives Studium. Seine Doktorarbeit befasste sich mit „Gitterstörungen im mikrokristallinen FePO4. Er versucht mir diese Arbeit zu erklären. Vergeblich. Verstanden habe ich es nicht. Aber, im Stillen, die Komplexität seines Unternehmens bewundert. Und die Klarheit seines Denkens. Riesenhuber denkt und reagiert nicht nur schnell. Er ist gut organisiert und arbeitet auch gewissermaßen simultan.

Herr über den Zeitplan

Immer schon hat er mehrere Tätigkeiten, durchaus unterschiedlicher Art, zu gleicher Zeit ausgeübt. Das geht. „Man muss nur Herr über seinen Zeitplan bleiben.“ Gute zwei Stunden pro Tag, ich hatte mir (merkwürdigerweise) zwei Stunden und fünfzehn Minuten notiert, waren für seine am Ende immerhin vier Kinder reserviert. Nachts blieb da für einen ausgiebigen Schlaf nicht viel übrig. Noch in seiner Studienzeit, während der Arbeit an seiner Dissertation, versuchte er, in der Mittagszeit zu zwanzig Minuten Schlaf zu kommen. Er sagt dazu: „Weniger bringt nichts und mehr bringt noch weniger.“

Diese Angewohnheit hat er bis heute beibehalten. Später dann, schon als Geschäftsführer der Metallgesellschaft, bestand er darauf, dass sein Büro mit Stühlen ohne Lehne ausgestattet wurde. Zu vermuten ist, dass ihm die Tatsache des Mittagsschlafs damals noch peinlich gewesen sein könnte. Drei Stühle, nebeneinander gestellt – darauf konnte er kurzzeitig schlafen. Nur so konnte er mit so wenig Schlaf auskommen und über lange Jahre, eigentlich bis heute, ein immer schier unglaubliches Arbeitspensum bewältigen.

Auch heute noch führt das Jahrbuch des Bundestages Riesenhuber in der Kategorie der Abgeordneten, die über 75 001 Euro pro Jahr zusätzlich verdienen. Geld dürfte aber nicht die entscheidende Rolle gespielt haben: Ihm ging und geht es offenbar ums Entwickeln, ums Gestalten, das Tätigsein. Nicht die bloße Ämterhäufung, sondern sinnvoll koordiniertes Handeln, bei, zum Beispiel, der Verknüpfung von Wirtschaft, Wissenschaft und Politik. Ein strenges Zeitregiment ist dazu erforderlich, vor allem aber Disziplin, hohe Konzentrationsfähigkeit, schnelle Auffassungsgabe, exakte Planung.

Erstaunlich erscheint angesichts dieser Arbeitsbelastung seine Spontaneität, die er sich dennoch erhalten hat. Überhaupt scheint er es zu verstehen, Spannungen auszuhalten, Widersprüche zu vereinen. So schließen sich für ihn Askese und Genuss keineswegs aus. In protestantischer Umgebung wäre er bei seinen Talenten vermutlich zu einem puritanischen Asketen mutiert. Aber katholisch erzogen ist ihm ein barockes Lebensgefühl nicht fremd. Zigarre am Abend, Whisky vor dem Essen, und sichtbare Freude dabei. Und das bei einem Arbeitspensum, das jeder Gewerkschaftsfunktionär als Straftatbestand werten würde.

Riesenhuber ist, und zwar seit 1979, Vorsitzender des Bezirksverbandes der CDU Frankfurt/RheinMain. Den Main-Taunus-Kreis vertritt er als Bundestagsabgeordneter in Berlin. Sein Haus steht in Unterliederbach. In der Straße, in der wohnt, haben auf der einen Seite früher die Werkmeister der Farbwerke Hoechst gewohnt, auf der anderen Seite ihre Direktoren. In den ersten beiden Legislaturperioden ist er noch über die Landesliste in den Bundestag eingerückt. Danach hat er immer, zum Schluss mit Rekordergebnissen, seinen Wahlkreis Main-Taunus direkt gewonnen.

Zufrieden mit sich und seiner Partei: Im Januar 2013 wurde Heinz Riesenhuber in Hofheim von den CDU-Delegierten aus dem Main-Taunus-Kreis und aus drei Kommunen des Hochtaunuskreises noch einmal als Bundestagskandidat für den Wahlkreis 181 nominiert. Seine Gattin Beatrix (rechts) soll ihm damals das Versprechen abgenommen haben, dass es die letzte Legislaturperiode wird.Zufrieden mit sich und seiner Partei: Im Januar 2013 wurde Heinz Riesenhuber in Hofheim von den CDU-Delegierten aus dem Main-Taunus-Kreis und aus drei Kommunen des Hochtaunuskreises noch einmal als Bundestagskandidat für den Wahlkreis 181 nominiert. Seine Gattin Beatrix (rechts) soll ihm damals das Versprechen abgenommen haben, dass es die letzte Legislaturperiode wird.

Kohl kam auf ihn zu

1982 kam während einer Plenarsitzung des Bundestages, natürlich noch in Bonn, Helmut Kohl auf ihn zu und fragte: „Können wir uns mal kurz in dies letzte Reihe setzen?“ Riesenhuber nickte. Und wurde Bundesminister. Kohl hatte ihn gefragt, welche Ministerien ihn interessieren könnten. Riesenhuber nannte Wirtschaft sowie Forschung und Technologie. Damit war es klar. Denn Wirtschaft war für den Koalitionspartner FDP, ergo Graf Lambsdorff, reserviert. Bis 1993, in drei Regierungen des Kanzlers Kohl, war Riesenhuber dann Minister für Forschung und Technologie.

Nicht nur politisches Geschick, auch sein Sachverstand als Naturwissenschaftler war da gefragt. Mit diesem Ressort war er dem täglichen politischen Gerangel, dem Kleinkrieg, ein Stück weit enthoben. Er musste, sagt er, um seinen Etat nicht groß kämpfen, dann allerdings Mehrheiten für seine Vorhaben organisieren. In dieser Zeit, das war klar, konnte er nicht mehr über seinen eigenen Zeitplan verfügen, und, ebenso selbstverständlich, auch keiner anderen Tätigkeit nachgehen.

1993, nach elf Jahren als Bundesminister, schied er aufgrund von Proporzproblemen in seiner Partei aus dem Kabinett aus. Mit seinem Chef sei er die ganzen Jahre gut ausgekommen, sagt er. Wenngleich vermutlich immer aus einiger Distanz heraus. Dabei hat ihm das Ressort, eben Forschung und Technologie, geholfen. Einmal, der Regierungssprecher Peter Boehnisch hat die Sache dann öffentlich gemacht, brachte der damalige Umweltminister Klaus Töpfer das Problem der „Polychlorierten Biphenyle“ auf die Tagesordnung der Kabinettssitzung. Dabei handelt es sich immerhin um krebserregende Stoffe. Kanzler Kohl empörte sich schon über die bloße Benennung dieses Sachverhalts und behauptete, dass das sowieso kein Mensch verstehe. Worauf Minister Riesenhuber höflich einwarf, hier handele es sich doch um zwei aromatische Kerne, durch konjungierte Doppelbindungen verbunden, bei denen die Wasserstoffatome in Ortho- oder Parastellung durch Chlor-Atome ersetzt sind. Der Bundeskanzler soll, wenn man seinem Regierungssprecher glauben dürfte, begeistert gewesen sein und mit einem dumpfen Knurren seinen Minister für diese Belehrung gedankt haben.

Kohl und Riesenhuber haben sich, wie die meisten Kabinettskollegen auch, bis zum Schluss gesiezt. Als 1989 die Mauer fiel, gehörte Riesenhuber zu der kleinen deutschen Regierungsdelegation, die ausgerechnet an diesem Tag zu einem Staatsbesuch in Warschau weilte. Für Kohl war sofort klar: „Wir müssen zurück – nach Berlin.“ Kohl wollte nicht Adenauers Fehler seinerzeit beim Bau der Mauer wiederholen, und das historische Ereignis verpassen.

Heinz Galinski, der Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde, protestierte zwar energisch, aber vergeblich. So stand Heinz Riesenhuber dann neben Brandt und Kohl auf dem Podest vor dem Brandenburger Tor vor den jubelnden Berlinern. Am nächsten Tag ging es dann noch einmal zurück nach Polen. Und in eine neue Epoche der Weltgeschichte.

Ein echter Minister

Eine Autofahrt im Frühjahr 1989 nach Berlin deutet Riesenhuber rückblickend als ein kleines Vorzeichen der Wende. Er fuhr allein im Auto über den Grenzkontrollpunkt an der Grenze zur DDR, zeigte seine Papiere, als ihn die DDR-Grenzer plötzlich erkannten, vermutlich an seiner Fliege. Ein echter Bundesminister. Ruckzuck, es ging sehr schnell, war eine Eskorte zur Stelle. Und weiter ging es – Riesenhuber ist es heute noch peinlich, wenn er nur daran denkt – mit Blaulicht, und schlimmer noch, mit Sirenengejaule – bis nach Berlin.

In dieser Zeit diskutierte Riesenhuber einmal mit dem Schriftsteller Günter Grass im Hessischen Rundfunk. Die beiden stritten herzhaft und verstanden sich gut, so dass Grass, der anschließend noch zu einer Veranstaltung der Jusos im Zoo-Gesellschaftshaus eingeladen war, Riesenhuber fragte, ob er mitkommen wolle. Riesenhuber, natürlich mit einer Fliege um den Hals, überlegte nicht lange und sagte ja. Die Überraschung bei den Jusos war groß, es gab Pfiffe, Buh-Rufe, aber auch vereinzelten Beifall. Aber am Ende konnten auch die Jusos ihren Respekt vor diesem CDU-Mann nicht mehr verbergen.

Riesenhuber ist eben tatsächlich anders. Ein Mann der Wissenschaft in der Politik, ein Mann der Wissenschaft in der Wirtschaft. Ein Naturwissenschaftler als Intellektueller. Kurzum: Ein Politiker ohne Scheuklappen.

Faible für Whisky

Der Mann ruht irgendwie in sich. Dieser Eindruck wird verstärkt: von seiner sonoren, sehr tiefen, ruhigen Stimme mit, wie erwähnt, einem Zungenschlag, der ihn auch zu einer Karriere in seiner bayrischen Schwesterpartei befähigt hätte. Groß, schlank, natürlich mit einem frisch gebügelten Oberhemd, und natürlich mit Fliege, darüber ein helles Sommerjackett, das bei der brütenden Sommerhitze allerdings bald einen Bügel fand, so kam er mir auf dem Gartenweg seines Hauses entgegen. Sogar sein Garten zeigt das andere. Schön und groß und sehr gepflegt, aber eben so gepflegt, dass es aussieht, als habe die Natur selbst seine Form und Erscheinung organisiert. Alles wirkt natürlich und zum Wohlfühlen gemacht. Wir saßen unter einem großen Baum, der auch vor leichtem Regen geschützt hätte. Doch dann brach ein Unwetter los. Ich habe es drinnen, im Wohnzimmer, nicht bemerkt. So faszinierend konnte Riesenhuber erzählen – von einem, seinem erfüllten Leben. Dazu hat er (mindestens) eine Zigarre geraucht und mehrfach bedauert, dass ich seinen Whisky ablehnen musste, weil ich vor dem Essen nichts trinke. Er hätte offenbar gerne einen getrunken.

Bei seiner letzter Rede im Deutschen Bundestag, es ist erst wenige Wochen her, erinnerte Claudia Roth von den Grünen daran, wie Riesenhuber einmal auf eine Mahnung des Bundestagspräsidenten Norbert Lammert reagierte hatte. Lammert fragte, wie es seine Art ist, etwas süffisant, ob der Abgeordnete Riesenhuber nicht auf die Zeit achten wolle. Riesenhuber antworte: „Das irritiert mich bloß“.

So ist er, der Heinz Riesenhuber. Einfach etwas anders.

Quelle: Höchster Kreisblatt vom 29. Juli 2017

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