Bernd Blisch: „Jedem Anfang wohnt ein Zauber inne“

1. November 2018

Würdiger Wechsel: Michael Antenbrink sagt „Auf Wiedersehen“ / Dr. Bernd Blisch kündigt bürgernahe, handlungsfreudige Politik an

FLÖRSHEIM (noe) – Die 20. Sitzung der Stadtverordnetenversammlung der Stadt Flörsheim am Main in der XVIII. Wahlperiodeam Dienstag, 30. Oktober, wird jedem, der an ihr teilnahm, in besonderer Erinnerung bleiben. Darauf ließ die, was in der Natur der Sache liegt, nüchterne Tagesordnung im Vorfeld nicht unbedingt schließen.

Der Besucherandrang war enorm, so groß wie zu keiner anderen Sitzung des höchsten Flörsheimer Gremiums in den vergangenen Jahren. Diese unvergleichliche Resonanz war nicht den ersten fünf Punkten der Tagesordnung geschuldet. Der sechste und letzte Punkt, die Verabschiedung des scheidenden Bürgermeisters Michael Antenbrink und die Amtseinführung des neuen Bürgermeisters Dr. Bernd Blisch, war ausschlaggebend.

Zuvor hatten die Stadtverordneten über die Aufhebung der Sanierungssatzung sowie über die Nachwahl eines Vorstandsmitgliedes für den Abwasserverband Flörsheim am Main und den Wasserversorgungsverband Main-Taunus-West zu entscheiden. Die Abstimmungen verliefen jeweils einmütig: die Sanierungssatzung wurde aufgehoben, zum Vorstandsmitglied der vorgenannten Verbände wurde auf Vorschlag der CDU-Fraktion Dr. Bernd Blisch ernannt. Er rückte für Michael Antenbrink nach, der in seiner Amtszeit als Bürgermeister diese beiden Positionen zuvor innehatte.

Emotional, allerdings auf eine in Flörsheim seit Jahren ungewohnte Weise, wurde es bei dem sich anschließenden Tagesordnungspunkt, nämlich der Wahl des für Robert Oerter (SPD) nachrückenden Stadtrats. Der scheidende Bürgermeister Michael Antenbrink würdigte die Leistung des ebenfalls offiziell zum 31. Oktober scheidenden Magistratsmitglieds. Robert Oerter, der aus gesundheitlichen Gründen sein Mandat niederlegte, habe sich seit mehr als 40 Jahren als „aufrechter Sozialdemokrat“ ehrenamtlich für „den kleinen Mann“ eingesetzt, so Antenbrink, und sei deshalb vor kurzem mit der Bürgermedaille ausgezeichnet worden: „Wir alle sind Dir zu großem Dank verpflichtet.“ Zum ersten Mal an diesem denkwürdigen Dienstagabend erhoben sich alle Stadtverordneten für einen lang anhaltenden Applaus von ihren Plätzen. Robert Oerters Nachfolger wurde, nach einstimmigem Votum, Klaus Dörrhöfer (SPD). Der neue Stadtrat wurde sodann von Stadtverordnetenvorsteher Steffen Bonk in sein Amt eingeführt und vereidigt. Flörsheims Erster Bürger, stets im richtigen Zeitpunkt ernst, mitunter humorvoll, leitete auch diese, im besten Wortsinn sehr spezielle, Sitzung auf gewohnt souveräne Weise.

Der Abend gelangte mit der Verabschiedung Michael Antenbrinks und der Einführung und Verpflichtung Dr. Bernd Blischs zu seinem Höhepunkt. Nach den Stücken „Die Forelle“ und „Ständchen“ von Franz Schubert, vorgetragen von der Sopranistin Yvon Kluin in Begleitung von Jürgen Schmidt am Klavier, folgte die Begrüßung der Gäste. Stadtverordnetenvorsteher Steffen Bonk nannte hierbei namentlich Flörsheims Ehrenbürger Mathäus Lauck, den Bundestagsabgeordneten Norbert Altenkamp, die frisch gewählten Landtagsabgeordneten Axel Wintermeyer und Nancy Faeser, die Landräte Michael Cyriax und Ulrich Krebs, die Kreisbeigeordneten Wolfgang Kollmeier und Johannes Baron, den Rüsselsheimer Oberbürgermeister Udo Bausch, Hofheims Bürgermeisterin Gisela Stang, die Bürgermeister Klaus Schindling (Hattersheim) und Dirk Westedt (Hochheim) sowie, neben Flörsheims Altbürgermeistern Dieter Wolf und Josef Anna, die ehemaligen Ersten Stadträte Leo Fercher und Norbert Hegmann. Des Weiteren wurden der Vorsitzende des Flörsheimer Handwerker- und Gewerbevereins, Willi Lauck, Pfarrer Sascha Jung und, stellvertretend für die Vereine, die Vorsitzende des Musikvereins Flörsheim, Christine von der Au, willkommen geheißen. Der Musikverein war es übrigens auch, der den geselligen inoffiziellen Teil melodisch untermalte.

Zur Verabschiedung Michael Antenbrinks wählte der Stadtverordnetenvorsteher die passenden Worte. Steffen Bonk dankte dem scheidenden Bürgermeister für dessen Engagement und großen Fleiß. Außerdem hob er Antenbrinks „Tatkraft und Durchsetzungsfähigkeit“ sowie seine auch von politischen Gegnern bescheinigte Sachkenntnis hervor. Die Leistungsbilanz des scheidenden Bürgermeisters sei trotz schwieriger Rahmenbedingungen – Bonk nannte in diesem Zusammenhang den Flughafenausbau und das sich verändernde Geschäftsleben – stattlich. Der Stadtverordnetenvorsteher zählte, ohne den Anspruch auf Vollständigkeit zu erheben, so einiges auf; unter anderem das gegen Widerstände verwirklichte und nun allseits anerkannte Hospiz, die Realisierung der Kolonnaden, der Unterführung Wickerer Straße und des Wickerer Kreisels, die Sanierung der Weilbachhalle und zahlreicher Straßen. Bonk würdigte auch den Bau des neuen Rathauses insofern, da auf diese Weise eine inmitten der Stadt klaffende Wunde nach langen Jahren geschlossen worden sei. Zudem habe Michael Antenbrink erfolgreich das nun fortzusetzende Projekt „Kleine Umgehung Weilbach“ vorangetrieben. Insgesamt attestierte der Stadtverordnetenvorsteher dem scheidenden Bürgermeister, dass er bei alldem stets „das Beste für Flörsheim erreichen wollte“.

In seiner folgenden Ansprache dankte Michael Antenbrink, sichtlich bewegt, seiner Frau Ulla für ihre immerwährende Unterstützung. Lobende Worte wurden seinen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern in der Stadtverwaltung zuteil.

Aktuell gebe es einen Vertrauensverlust, den die Politik nicht in Berlin oder Wiesbaden, sondern nur auf kommunaler Ebene revidieren könne, so Antenbrink weiter. Der scheidende Bürgermeister warnte vor diesem Hintergrund vor „falsch verstandener Bürgerbeteiligung“. Ohne eine solide Entscheidungsgrundlage könnten Bürger, aber auch ehrenamtliche Kommunalpolitiker nicht zu fundierten Schlüssen kommen. Das Verhältnis zwischen Ehrenamtlichen und Hauptamtlichen sei aufgrund der immer komplexer werdenden Materie nicht mehr „auf Augenhöhe“. Antenbrink wünschte seinem Nachfolger eine glückliche Hand. Mit einem knappen „Auf Wiedersehen“ verließ Michael Antenbrink schließlich unter stehenden Ovationen das Rednerpult.

Einem weiteren musikalischen Zwischenspiel folgte quasi der Höhepunkt des Höhepunkts – die Vereidigung des neuen Bürgermeisters. Dr. Bernd Blisch legte, nach der Einführung durch den Stadtverordnetenvorsteher, den Amtseid mit der Schlussformel „So wahr mir Gott helfe“ ab. Flörsheims Erster Bürger legte dem neuen Stadtoberhaupt die Amtskette um, Bernd Blisch wirkte gelöst und ernst zugleich.
„Es war der bisher absolut schönste Tag in meinem Leben“, sagte Blisch mit Blick auf den 27. Mai dieses Jahres. An jenem Tag war er mit klarer Mehrheit zum neuen Bürgermeister gewählt worden. Er dankte all jenen, die dies ermöglicht hatten.

Blisch kündigte eine bürgernahe, handlungsfreudige Politik an, zugleich rief er alle Bürger dazu auf, sich mit Anregungen und Ideen einzubringen. Er werde es als Bürgermeister mit Goethe halten: „Es ist nicht genug zu wissen, man muss auch anwenden. Es ist nicht genug zu wollen, man muss auch tun.“

Bernd Blisch trug zudem, passend zum Amtswechsel als sozusagen magische Phase des Endes und des Neubeginns, Hermann Hesses Gedicht „Stufen“ vor, das mit den Worten „Wohlan denn Herz, nimm Abschied und gesunde!“ schließt. „Im Abschied zu gesunden, das wünsche ich Ihnen von ganzem Herzen, Herr Antenbrink“, gab Blisch seinem Vorgänger im Amte unter kräftigem Applaus mit auf den Weg.

Das Gedicht „Stufen“ birgt zudem den bekannten Vers: „Jedem Anfang wohnt ein Zauber inne“. Für gewöhnlich verblasst ein solcher Zauber jedoch nach und nach, bis er irgendwann ganz verschwunden ist. Es kommt darauf an, was man bis zu diesem Zeitpunkt erreicht hat und was zukünftig auch ohne die, wie es bei Hesse im Folgenden heißt, helfende, schützende Kraft des Zaubers bewegt werden kann.

Quelle: Flörsheimer Zeitung vom 1. November 2018

Foto: „So wahr mir Gott helfe“ – Dr. Bernd Blisch legte vor dem Stadtparlament und der zahlreich vertretenen Öffentlichkeit den Amtseid ab.
(Fotos: A. Noé)

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