Kreisverbandsausschuss: „Region muss zusammenarbeiten“

21. Januar 2017

Das gilt nach Ansicht des Landrats vor allem fürs Thema Bildung – aber nicht nur 

Unter dem Titel „Unsere Zukunft im MTK gestalten – Lebensqualität sichern“ hatte die Main-Taunus-CDU eingeladen. Auch die beiden Christdemokraten, über deren Zukunft in diesem Jahr die Wähler entscheiden, Landrat Cyriax und der neue Bundestags-Direktkandidat Norbert Altenkamp, diskutierten mit.

VON MANFRED BECHT Main-Taunus. Der CDU-Europaabgeordnete Thomas Mann hatte neulich eine Gruppe von Bankern aus London zu Besuch. Wie günstig alles in der Region sei, hätten diese sich gewundert. Um Wohnungen für Banker, die wegen des Brexit in die Region kämen, mache er sich keine Sorgen, beantwortete Bad Sodens Bürgermeister Norbert Altenkamp eine entsprechende Frage Thomas Manns. Er fürchte eher einen Verdrängungswettbewerb, der den Preisanstieg beim Wohnraum nur noch beschleunigen kann. Damit ist klar, der Austritt Großbritanniens aus der Europäischen Union hat auch für die Rhein-Main-Region seine Schattenseiten.

Wie stark sich das auswirkt, weiß man nicht, es gibt da eine Menge Unsicherheit. Die Bürger aber möchten Sicherheit, erklärte der Kreisvorsitzende der Main-Taunus-CDU, Axel Wintermeyer, bei einer Veranstaltung seiner Partei in Bad Soden-Neuenhain. Deshalb seine Forderung: „Wir müssen Antworten geben.“ Zum Beispiel darauf, wie man mit dem Phänomen einer boomenden Region umgehen soll. 

Gegen den Verkehrskollaps 

Ein geschlossenes Konzept kann dabei derzeit keine Partei vorweisen, auch die CDU nicht, dazu läuft die Diskussion noch nicht lange genug. Es gibt Bestandteile eines Konzepts, Versatzstücke. Wieder eine Unsicherheit, die für viele Wähler schwer zu ertragen ist. In drei Monaten wird der Landrat gewählt, in sieben Monaten der Bundestag. Unsicherheiten nützen da nichts, das ist das Dilemma (fast) aller Parteien. Trotzdem ist die CDU ambitioniert, möchte, so Wintermeyer, bundesweit mindestens 40 Prozent der Wählerstimmen bekommen, damit sie ohne große Koalition regieren könne. Mit mehr Einfluss sei eventuell eine Tatsache zu ändern, die aus Sicht der Region unfassbar ist: Für die geplante Regionaltangente West gibt es keine Bundeszuschüsse, weil das System auf Straßenbahntechnik basiert. Damit gilt es als Nahverkehr und geht den Bund nichts an. Für die Region dagegen ist die Strecke ein wichtiger Baustein gegen den Verkehrskollaps.

Wenn die Einwohnerzahl immer mehr steigt, die meisten aber auch künftig mit dem Auto fahren, geht irgendwann auf den Straßen nichts mehr. Die Strecke soll bekanntlich von Bad Homburg über Eschborn, Höchst und den Flughafen nach Neu-Isenburg führen. Entlang der Strecke befinden sich rund 200000 Arbeitsplätze, weiß Altenkamp, der im Herbst Bundestagsabgeordneter werden möchte. 

Verkehr ist aber nicht alles. Landrat Michael Cyriax wies darauf hin, dass der Kreis flächendeckend schnelles Internet geschaffen habe – die fehlenden drei Hofheimer Stadtteile kommen nach seiner Überzeugung in diesem Jahr noch dazu. Aus seiner Sicht kommt der Kreis auch an einem Ausbau der Bildungseinrichtungen nicht vorbei; eventuell müsse man einen Bauplatz suchen für eine internationale Schule. Vor allem aber könne der Kreis nicht alles alleine richten, die Region müsse zusammenarbeiten und sich abstimmen. Cyriax: „Das ist alles sehr spannend, und es ist nicht so, dass wir den Mangel verwalten.“ 

Zuzug als Chance sehen 

Auch Wintermeyer sieht den weiteren Zuzug vor allem als Chance und weniger als Problem an. Viele Wähler dürften an dieser Stelle Vorbehalte vor allem wegen der steigenden Mieten und fehlenden Wohnungen haben. Altenkamp fürchtet prekäre Wohnverhältnisse, also die vierköpfige Familie in der Drei-Zimmer-Wohnung. Wo zusätzlich gebaut werden soll, das ist die weithin unbeantwortete Frage. Der Flächennutzungsplan sei in dem Punkt nur zu zehn Prozent ausgenutzt, man werde jetzt die Entwicklungshemmnisse prüfen. Vielleicht muss auch ein gewisse Bewusstseinswandel her. Lange Wege zur Arbeit möchten heute viele nicht mehr in Kauf nehmen. Anders ist es nicht zu erklären, dass ein Einfamilienhaus in Frankfurt fünf mal so viel kostet wie das gleiche Haus im Vogelsberg. Und von dort sind es auch nur 50 Kilometer bis in die Frankfurter Innenstadt. Aber Pendler aus diesem Raum erzeugen auch wieder Verkehr – einfache Antworten kann es also nicht geben.

Quelle: Höchster Kreisblatt vom 21. Januar 2017

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