Landwirtschaft in Flörsheim – Ackerernte und Versuchsfelder 2020

2. November 2020

Landwirtschaft ist in Flörsheim eine wichtige Säule. Die Arbeiten auf den Flörsheimer Äckern neigen sich allmählich dem Ende zu. Pünktlich zum maschinellen Ernteabschluss traf sich die Wickerer Ortsvorsteherin Luana Schnabel mit dem ortsansässigen Landwirt Ralf Fasel, um sich mit ihm über die Ernte 2020 auszutauschen. 

„Noch nie stand deutschen Verbrauchern – gerade auch in Krisenzeiten – ein derart vielfältiges Angebot an gesunden regionalen Lebensmitteln zur Verfügung wie heute. Die regionale Landwirtschaft ist die Basis unserer Lebensmittelversorgung in Deutschland. Landwirtschaft und Weinbau bilden gerade deshalb einen besonderen Schwerpunkt unserer kommunalen Politik in Flörsheim“, erklärt Luana Schnabel.

Der Austausch fand – wie in der Landwirtschaft üblich – nicht an einem Besprechungstisch, sondern in der Flörsheimer Feldgemarkung statt. Der Weilbacher Landwirt und die Wickerer Ortsvorsteherin trafen sich unterhalb der Flörsheimer Warte beim Zuckerrübenroden. „Aus diesen Zuckerrüben entsteht nach der Verarbeitung in der Zuckerfabrik reinster Zucker, den jeder von uns täglich konsumiert. Sei es im Kaffee, beim Kochen oder Backen“, erklärt Ralf Fasel. 

Wie erfolgreich war die Flörsheimer Ackerernte 2020? 

Mit der diesjährigen Rübenernte ist Fasel einigermaßen zufrieden. Die Art der Böden war in diesem Jahr ausschlaggebend, ob es große ertragreiche Rüben oder nur kleine Gewächse gab. Denn, Wasser fehle in allen Böden aufgrund der extrem warmen Sommer der letzten drei Jahre. An die guten Rübenerträge vergangener Jahre wird aber der Durchschnitt kaum heranreichen.

Auch für den heimischen Mais war das Jahr 2020 kein gutes. Mais brauche zwar im Vergleich zu anderen Früchten nicht besonders viel Wasser – aber zur richtigen Zeit. „Mais braucht Wasser in den letzten Wochen vor der Ernte – also im Hochsommer. Und da hatten wir 2020 nur bedingt ergiebige Regentage“, erklärt der Landwirt.

Die Rapsernte hingegen war erfreulich und im Gegensatz zu den Vorjahren überdurchschnittlich. Doch der Ausblick für den Raps im kommenden Jahr ist mäßig. Während der Rapsaussaat Ende August hat es lokal leider nur wenig geregnet, weshalb dem Raps 2021 keine guten Startbedingungen gegeben sind.

Positiv überrascht zeigt sich Fasel von der diesjährigen Getreideernte. Trotz zum Teil fehlender Niederschläge und auch Spätfrostereignissen konnten nach zwei mageren Jahren mal wieder zufriedenstellende Erträge gedroschen werden. „Leider fehlt vielen Körnern der nötige Proteingehalt für Qualitätsbackweizen. Die neue Düngeverordnung macht die Produktion hochwertigen Brotweizens in unserer Region nicht gerade einfacher“, so Fasel. 

Mais, Raps und Getreideanbau – lohnt das aufgrund des Klimawandels auch in Zukunft oder wohin geht die Reise unserer regionalen Landwirtschaft?

Ralf Fasel ist überzeugt, dass es den herkömmlichen Anbau auch weiterhin geben wird. Aber auch er denkt über alternative Anbaumöglichkeiten nach. Beispielsweise Sojabohnen, die eigentlich in Südamerika angebaut werden oder Körnerhirse. 

Seine Kollegen und er haben seit einigen Jahren Anbauversuche mit Soja und Körnerhirse in der Flörsheimer Feldgemarkung unternommen. Die Vermarktung ist derzeit im Rhein-Main-Gebiet schwierig. Es fehlt die Industrie zur weiteren Verarbeitung. In Bayern gäbe es schon größere Anbauvorkommen, da es dort bereits eine entsprechende weiterverarbeitende Industrie gibt. Dort wird mit speziellen Maschinen das bekannte Sojaöl gewonnen. Das haben wir hier im Rhein-Main-Gebiet so noch nicht. Aktuell können wir die unentölten Sojabohnen beispielsweise als Tierfutter in der Rinderfütterung nutzen.

In den kommenden Tagen geht für Ralf Fasel das Jahr – zumindest auf dem Acker – zu Ende. Bis zum Hochheimer-Markt-Wochenende will er die gesamte Getreidesaat für das kommende Jahr ausgebracht haben. So sagt es die hier regional bekannte Bauernregel. 

In den Wintermonaten wird es bei ihm dann ruhiger und er fährt für den Winterdienst der Fraport auf dem Flughafengelände in Frankfurt und kümmert sich mehr um seine Familie und die Büroarbeit.

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