Main-Spitze: Ortsbeiräte lehnen Planungen ab

29. April 2017

GEWERBEGEBIET WEST V.2

Wegfall von Grünflächen und weiteres großflächiges Angebot sorgen für Skepsis

Main-SpitzeFLÖRSHEIM – Einer weiteren Ausarbeitung des Bebauungsplanentwurfs für das Gewerbegebiet West V.2 haben die Ortsbeiräte Stadtmitte und Keramag-Falkenberg am Mittwoch eine Absage erteilt. Im Ortsbeirat Stadtmitte stimmte nur die SPD für die Vorlage, die im Magistrat noch eine Mehrheit gefunden hatte, im Ortsbeirat Keramag-Falkenberg stieß der Beschlussvorschlag auf keinerlei Unterstützung.

Im Laufe der Diskussion stellten sich zwei Punkte als wesentlich für die Ablehnung heraus. Einerseits der besonders von Galf und Freien Bürgern kritisierte Umstand, dass ein weiteres Stück Grün versiegelt wird, dass weitere Bäume gefällt werden müssen. Ein weiterer Punkt war die besonders von der CDU ins Feld geführte Befürchtung, dass auch auf den verbliebenen knapp sieben Hektar Gewerbefläche ein einziger Betrieb das Areal dominieren werde, wie es schon im östlichen Teil des Areals mit dem Rigterink-Lager geschehen ist.

WEST V.2

Nach der Magistratsvorlage, die in den Ortsbeiräten keine Mehrheit fand, sollen in dem Gewerbegebiet knapp 70 000 Quadratmeter als Gewerbefläche verkauft werden. Für Straßen sollen 8300 Quadratmeter planiert werden, für „Straßenbegleitgrün“ stehen 22 000 Quadratmeter zur Verfügung. (etz)
Die Art und Weise, wie der umstrittene Verkauf des Areals im Jahr 2015 von Bürgermeister Michael Antenbrink (SPD) durchgedrückt wurde, scheint ebenfalls bei einigen Fraktionen noch nachzuwirken und für äußerste Skepsis und Misstrauen zu sorgen.

Nachfragesituation hat sich verändert

Eine besondere Dringlichkeit des Projektes betonte Bürgermeister Antenbrink auch am Mittwoch. „Wir müssen vorankommen, wir müssen weitermachen“, sagte er und verwies darauf, dass die Vermarktung des zweiten Abschnitts des Gewerbegebietes vor allem dem Kostenausgleich und der Verlustminimierung diene.

Dabei hat sich die Nachfragesituation nach Gewerbeflächen laut Michael Antenbrink komplett verändert. Während er beim Verkauf des östlichen Areals noch betonte, dass nur Nachfrage nach großen Flächen für Logistikgewerbe herrsche und sich die Stadt diesen Realitäten beugen müsse, sieht er nun auch gute Chancen, das Gewerbegebiet kleinteilig an Kleinbetriebe und Mittelständler veräußern zu können. „Es besteht keine Intention, große Betriebe anzusiedeln“, sagte Antenbrink in der Sitzung. Ganz ausschließen will er es aber nicht, dass doch wieder ein dominierender Flächengroßkunde auf den Plan tritt. Die verkehrliche Erschließung soll deshalb so geschehen, dass auf dem Gelände sowohl große wie auch kleine Areale parzelliert werden können. Die Zufahrt zu dem Gewerbegebiet soll einerseits von der Landesstraße Richtung Hochheim gegenüber des Weges zum Angelsee erfolgen. Diese Zufahrtsstraße soll von Nord nach Süd etwa bis in die Hälfte des Areals geführt werden. Am südlichen Ende dieser Straße soll dann eine in Ost-West-Richtung geführte, zweite Straße auf die bestehende Straße zum alten Bauhof hin führen, wo auch die Bahnunterführung für schwere Lastwagen ausgebaut werden soll, um den Ortsteil Keramag-Falkenberg von Schwerlastverkehr zu entlasten.

Eine solche Erschließung minimiere einerseits die nötigen Straßenflächen und erhöhe damit den Anteil der veräußerbaren Gewerbeflächen, so Antenbrink. Anderseits erlaubt es die Straßenführung, rund die Hälfte des Areals als einzelnes Grundstück zu verkaufen, sollte es doch einen Großinteressenten geben.

„Lassen Sie uns flexibel sein“, sagte Antenbrink, der warnte, eine andere Straßenführung, die nur kleinteiligere Vermarktung zulasse, sei deutlich teurer und könne das Gelände zur millionenteuren Investitionsruine machen. „Ihrer Flexibilität traue ich nicht so ganz“, entgegnete Thomas Probst von den Freien Bürgern und auch die Christdemokraten zeigten sich wenig bereit, den Beteuerungen des Bürgermeisters, an kleinteiliger Vermarktung interessiert zu sein, Glauben zu schenken. Ihnen wäre eine Straßenführung lieber, die eine Großflächenvermarktung von vorneherein ausschließt. Wolfgang Odermatt verwies auf das Beispiel der Nachbarstadt Hochheim, die bei ihrem neuen Gewerbegebiet bewusst auf kleinere und mittlere Unternehmen setze. Auch sollten die weiteren Planungen zum Gewerbegebiet West V.2 im Rahmen einer Stadtentwicklungskonzeptes behandelt werden, so Odermatt.

Quelle: Main-Spitze vom 28. April 2017

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