Nach dem Aus fürs Marienkrankenhaus: Ärzte behalten ihre Praxen

5. Oktober 2017

Förderverein will vorerst weitermachen

Schon lange gab es existenzielle Probleme für das Marienkrankenhaus. Die Krise konnte jedoch nicht abgewendet werden. Der Betrieb schließt. Der Vorsitzende des Fördervereins wendet sich nun mit einem Brief an die Mitglieder, die bei einer weiteren Nutzung des Gebäudes mitreden wollen.

In der Geschichte des Marienkrankenhauses war es immer wieder der Monat September, der mehrfach entscheidende Einschnitte und Veränderungen brachte: Am 1. September 1904 wurde die Krankenstation unter der Leitung der Dernbacher Schwestern eingeweiht. Das Haus nahm mit 18 Betten seinen Betrieb auf. Ein schwarzer Moment ereignete sich in der Nacht vom 8. auf den 9. September 1942. Damals traf eine Fliegerbombe das Wohngebiet und zerstörte die Südfront des Krankenhauses. Nachdem der Betrieb unter der Leitung der Dominikanerinnen weiterging, folgte am 8. September 2004 ein weiterer Umbruch: Die Marienhaus GmbH aus Waldbreitbach übernahm die Leitung.

Für die Versorgung

Den größten Einschnitt gab es aber am vergangenen Samstag, 30. September. Es war der letzte Tag des Marienkrankenhauses als Belegkrankenhaus. Zum Ende des Monats stellte die Marienhaus GmbH den Betrieb wegen finanzieller Engpässe bei den Krankenkassenzahlungen ein. „Schade“, sei die Reaktion, die man von vielen Seiten höre, sagt Hans-Jürgen Wagner, Vorsitzender des Fördervereins. „Leider konnte die letzte Krise nicht mehr abgewendet werden“, schreibt er in einem Brief an alle Mitglieder.

 

Parlament berät über ZukunftskonzeptDie CDU-Fraktion hat für die nächste Sitzung der Stadtverordneten einen Antrag formuliert, der sich mit der Zukunft des Marienkrankenhauses beschäftigt. Die Stadtverordnetenversammlung soll den Magistrat beauftragen, gemeinsam mit dem bisherigen Betreiber der Einrichtung, der Waldbreitbach GmbH, ein Konzept „zur zukünftigen Entwicklung des ehemaligen Marienkrankenhauses in ein Flörsheimer Ärzte-, Praxis- und Gesundheitszentrum“ zu erstellen. Das Konzept soll bis zum Ende des ersten Quartals 2018 dem Haupt- und Finanzausschuss vorgelegt werden. Die CDU-Fraktion schlägt zudem vor, dass weitere Ärzte, Allgemeinmediziner, aber auch weitere Facharztpraxen, für das künftige Ärzte-, Praxis- und Gesundheitszentrum gewonnen werden sollten. Das Zentrum könne für die mittelfristige Zukunft der ärztlichen Betreuung in Flörsheim einen wichtigen Beitrag leisten. Dazu müssten die hiesigen Praxen in die Betrachtung miteinbezogen werden. 

In dem Schreiben weist er allerdings auch darauf hin, dass der Verein mit dem Ende des Krankenhausbetriebes noch nicht aufgelöst wird. Die Förderer wollen vorerst weitermachen und bei der weiteren Nutzung des Gebäudes mitreden.

Obwohl keine Patienten mehr aufgenommen werden, ist das letzte Wort über die Zukunft nicht gesprochen. „Der Schnitt ist gemacht – jetzt muss man sehen, wie es weiter geht“, sagt Wagner. Die Marienhaus GmbH sei am Zug. Fest steht bereits, dass alle sechs Ärzte, die im ehemaligen Krankenhaus ihre Praxen betreiben, bleiben wollen. Seit etwas über einem Jahrzehnt engagieren sich Flörsheimer im Förderverein für den Erhalt des Krankenhauses – und damit für eine Gesundheitsversorgung im Zentrum Flörsheims.

2006 gegründet

Der Verein wurde im Jahr 2006 gegründet und 2015 mit dem Stiftungspreis der Kurt-Graulich-Stiftung für seine Arbeit ausgezeichnet. Nicht trotz, sondern gerade wegen des jetzigen Umbruchs wollen die Förderer nun aktiv bleiben. Im Rundbrief an die 100 Mitglieder schreibt der Vorstand: „Der Freundes- und Förderkreis Marienkrankenhaus Flörsheim bleibt solange bestehen, bis die Zukunft des Hauses abschließend geklärt ist.“ Der Verein wolle als Gesprächspartner mithelfen bei dem, was jetzt kommt, erläutert Hans-Jürgen Wagner. Falls ein Ausschuss gebildet werde, wie es Bürgermeister Michael Antenbrink (SPD) vorschlug, könnten die Mitglieder des Vereins als sachkundige Bürger mitreden. „Wir sind diejenigen, die sich in den vergangenen elf Jahren um die Belange gekümmert haben“, betont Wagner. Er weist darauf hin, dass Politiker und Ärzte dem Kreis der Förderer angehören. Seiner Ansicht nach könnten die ehrenamtlichen Unterstützer Ideengeber sein. Der Verein möchte auch finanziell etwas zur weiteren Entwicklung des Standortes beitragen. Laut Wagner wären die Förderer bereit, ihr verbliebenes Vermögen in ein Folgeprojekt zu investieren. Als künftige Nutzung würde der Verein alles bevorzugen, was zum Gesundheitszentrum passt. Aus seiner Sicht wären ein Altenwohnheim und ein ambulantes Pflegeangebot attraktiv. Die Aufgaben des Vereins sieht er erst erschöpft, wenn der Übergang abgewickelt ist. Solange weiter verhandelt wird, möchte der Vorstand diese Entwicklung begleiten. Am Ende des Schreibens heißt es, der Verein wolle das Krankenhaus bis zu einem „guten“ Ende vertreten.

Foto: Hans NietnerNur noch dieses Schild weist darauf hin, dass hier bis vor kurzem noch Patienten stationär behandelt wurden. Jetzt wird an andere Kliniken verwiesen.
 

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