Nominierung des Landratskandidaten: 97,1 Prozent für Cyriax

3. November 2016

VON MANFRED BECHT. Jetzt ist es offiziell: Amtsinhaber Michael Cyriax wurde von der Kreis- CDU als Kandidat für die Landrats-Direktwahl nominiert. Nur vier Delegierte wollten davon nichts wissen.

Nominierung des Landratskandidaten

97,1 Prozent für Cyriax

Main-Taunus-Kreis. Eine Frage wurde beim Nominierungsparteitag der Main-Taunus-CDU nicht beantwortet: die nach dem Wahltermin. Es könnte das späte Frühjahr oder der Frühsommer werden, auf jeden Fall aber die erste Jahreshälfte, so der Kreisvorsitzende Axel Wintermeyer über das, was sich abzeichne. Hinter den Kulissen also wird das Thema diskutiert.

Vor den Kulissen klappte alles wie geplant in der Liederbachhalle, sieht man einmal von gewissen Problemen mit der Tontechnik ab. Es gab keinen Gegenkandidaten, keine Personaldebatte und so gut wie keine Gegenstimmen. Vier Delegierte lehnen eine erneute Kandidatur von Michael Cyriax ab, einer enthielt sich, die anderen 134 stimmten mit „Ja“ – eine Zustimmung von 97,1 Prozent.

„Ein einigermaßen ehrliches Ergebnis“, kommentierte Cyriax. Die Delegierten würdigten es mit viel Beifall, Cyriax reagierte zweimal im Verlaufe des Abends mit bremsenden Gesten. Zu viel Aufhebens um seine Person möge er nicht, hatte er zuvor schon erklärt. Tatsächlich entspricht dies seinem öffentlichen Auftreten.

Trotzdem wissen alle, dass es bei der Direktwahl eines Landrats auch auf die Person ankommt. Und auf die Unterstützung durch die Partei. Dann wird sich zeigen, was die 97 Prozent Zustimmung tatsächlich wert sind.

Keine Sieg-Garantie

Quelle: Höchster Kreisblatt, Josef Nietner. Gute Laune nach der Kandidaten-Kür: CDU-Kreischef Axel Wintermeyer gratuliert Michael Cyriax, der sich über Blumen und einen Präsentkorb freut.

Quelle: Höchster Kreisblatt, Hans Nietner. Gute Laune nach der Kandidaten-Kür: CDU-Kreischef Axel Wintermeyer gratuliert Michael Cyriax, der sich über Blumen und einen Präsentkorb freut.

Wintermeyer warnte davor, den Wahlkampf auf die leichte Schulter zu nehmen. Tatsächlich: Selbst wenn Wintermeyer recht hat mit der Bemerkung, dass Cyriax hohes Ansehen über die Parteigrenzen hinweg genieße, so sind die politischen Verhältnisse doch unsicherer geworden, und ein Amtsbonus ist, wie die letzten Wahlergebnisse gezeigt haben, keine Garantie mehr auf den erneuten Wahlsieg.

Sicherheit, das ist überhaupt auch für Cyriax ein Thema, das er sehr nach vorne stellt. Den Menschen Sicherheit zu garantieren, das ist für ihn auch wichtig, um die Akzeptanz für die Institutionen und die Politik wieder herzustellen, die nach seiner Wahrnehmung seit einigen Jahren einer diffusen Angst Platz machen musste.

Dabei sei der Main-Taunus-Kreis ein sehr sicherer Kreis, argumentierte auch Wintermeyer. Es gebe gute Aufklärungsquoten der Polizei und eine gute Sicherheitsinfrastruktur.

Ein anderes Thema der Region ist die Wohnungsknappheit. Gegenkandidat Georg Einhaus (SPD) hat dies ausdrücklich zu einem seiner Handlungsfelder erklärt. Da setzt sich Cyriax bewusst ab. Es handele sich um eine Aufgabe der Kommunen, der Kreis solle sich nicht die Planungskompetenz anmaßen. Sicher ist er, dass nicht für alle Wohnungen geschaffen werden können, die in die Region wollen, aber das bedeutet für ihn nicht, dass nicht alle Anstrengungen unternommen werden sollen.

„Es gibt kaum jemanden, der hier weg will, und unsere Probleme hätten andere gerne“, erläuterte Cyriax die Beliebtheit der Region. Wintermeyer reklamierte dies als Resultat der CDU-Politik der vergangenen Jahre im Main-Taunus-Kreis. Den Landrat stellen die Christdemokraten tatsächlich seit 1978, nach Bernward Löwenberg, Jochen Riebel und Berthold Gall ist Cyriax der vierte CDU-Mann in Folge auf diesem Posten.

1969 geboren, gelernter Industriekaufmann und studierter Jurist, arbeitete Cyriax zunächst als Rechtsanwalt und trat 1987 in die CDU ein. 2002 wurde er Kreisbeigeordneter im Main-Taunus-Kreis und am 27. März 2011 mit 61,5 Prozent der Stimmen zum Landrat gewählt. Der nächste Wahltermin steht, wie gesagt, noch nicht fest.

Weitere Kandidaten

Neben dem Wahltermin blieb übrigens an diesem Abend in der Liederbachhalle eine zweite Frage offen: die nach den Gegenkandidaten. Für die SPD hat der Hofheimer Georg Einhaus bereits seinen Hut in den Ring geworfen. Wintermeyer sprach aber davon, dass ihm bekannt sei, dass es mindestens drei Kandidaten geben werde. Dass die Koalitionspartner Grüne und FDP eigene Bewerber ins Rennen schicken, ist nicht ausgeschlossen, aber unwahrscheinlich. Im Kreistag vertreten sind außerdem noch Linke, FWG und AfD – möglich sind außerdem natürlich noch parteiunabhängige Kandidaten.

„Es macht mir große Freude, unserem schönen Kreis zu dienen“

 

Fragen an Michael Cyriax wurden auf dem Nominierungsparteitag keine gestellt. Dies hat das Kreisblatt im Gespräch mit dem Landrat nachgeholt. Die Fragen stellte Manfred Becht.97 Prozent Zustimmung beim Nominierungsparteitag, das ist ein gutes Ergebnis. Machen Sie sich Gedanken um die vier Gegenstimmen? Würden Sie gerne mit den vier Parteifreunden reden?MICHAEL CYRIAX: Ich danke den Delegierten für das große Vertrauen und die super Unterstützung. Gemeinsam arbeiten wir für einen starken Main-Taunus-Kreis. Hohe Lebensqualität, top Infrastruktur, gutes Miteinander. Für alle.

In so einer Wahlperiode schafft man ja nie alles, was man sich vorgenommen hat: Wo sind Sie weniger weit, als Sie sein wollten, wo auf der anderen Seite ist es besser gelaufen als gedacht?

CYRIAX: Schnelles Internet für alle wird bald verwirklicht sein. Wir haben damit ein zentrales Versprechen aus dem Jahr 2011 umgesetzt. Mit geringeren bürokratischen Hürden wären wir noch schneller gewesen. Dankbar bin ich, dass wir die sehr gute medizinische Versorgung in unseren Kliniken zukunftsfest in neue Strukturen überführen konnten.

Wenn Sie eine Rangfolge der Wichtigkeit der Ziele in der nächsten Wahlperiode aufstellen müssten – was steht auf Platz eins?

CYRIAX: Mein großes Anliegen ist es, dass wir uns alle im MTK sicher und damit wohlfühlen. Sicher vor Kriminalität, Sicherheit im Alter, gute medizinische Versorgung (auch im Notfall), Sicherheit für das ersparte Geld; um nur einige Punkte zu nennen. Wir sind und bleiben im MTK verlässlich. In jeder Hinsicht.

Sie haben angekündigt, sich um das Radwegenetz kümmern zu wollen. Können Sie das konkretisieren, was haben Sie vor?

CYRIAX: Mobilität bestimmt unser Leben. Radverkehr spielt hierbei eine wichtige Rolle. Wir haben hier Nachholbedarf: zusätzliche Wege, weniger Barrieren, eine bessere Infrastruktur und intelligente Vernetzungen. Wir werden in Kürze die Ideen konkretisieren.

Hätten Sie lieber einen gemeinsamen Wahltermin mit der Bundestagswahl oder nicht?

CYRIAX: Der Kreistag legt den Wahltermin fest. Ich halte mich da raus. Mir ist jeder Tag recht. Die Zusammenlegung mit der Bundestagswahl kann ich mir vorstellen.

So ein Amt wie das des Landrats ist ja mit ganz vielen Pflichtterminen verbunden, zu denen man nur hin muss, damit der Landrat dagewesen ist. Unzählige Feste und so weiter. Ist das nach einer Wahlperiode nicht nervig? Wie gehen Sie damit um?

CYRIAX: Ich liebe was ich tue. Für mich ist der direkte Kontakt zu den Menschen bei Vereinen, Festen oder kirchlichen Veranstaltungen sehr wichtig. Im Kleinen wird großartiges geleistet! Das vielfältige bürgerschaftliche Engagement verdient großen Dank und große Anerkennung. Viele machen mit, arbeiten daran, dass wir uns hier alle wohlfühlen.

Der Zeitpunkt für die letzte Frage ist sicher einer der ungünstigsten: Der „klassische“ nächste Schritt auf der Karriereleiter vom Landrat aus ist der Ministerposten in Wiesbaden. Schließen Sie das generell aus, oder machen Sie es wie die Fußballtrainer: Immer von Spiel zu Spiel denken, also von Wahlperiode zu Wahlperiode?

CYRIAX: Ich habe keine weitergehenden Ambitionen. Die Aufgaben in meinem Beruf fordern mich und meine Familie zu 100 Prozent. Und es macht mir große Freude unserem schönen Kreis und seiner Bürgerschaft zu dienen.

Quelle: Höchster Kreisblatt vom 3. November 2016

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