Pressespiegel zur Sondersitzung der Stadtverordnetenversammlung: Mit Klappstühlen ins Terminal 1

25. Januar 2012

Flörsheimer Stadtverordnetenversammlung tagte symbolisch im Abfertigungsbereich des Flughafens

Die Kommunalpolitiker im Airport-Gebäude zogen die Blicke der Flugpassagiere auf sich.

Frankfurt/Flörsheim. Ängstlich schaut das kleine Mädchen im Vorbeigehen auf eine Ansammlung von Erwachsenen, die auf Klappstühlen mitten in der Abfertigungshalle B des Terminal 1 am Frankfurter Flughafen sitzen. “Was sind das für Leute, Mamma?” Die Mutter antwortet: “Das sind alles Menschen, die bekommen von den Flugzeugen ganz viel Krach in ihre Häuser und protestieren deshalb hier dagegen.” Tatsächlich ist ein über 60 Personen großer Tross von Stadtverordneten, Magistratsmitgliedern sowie Verwaltungsmitarbeitern und Unterstützern aus Flörsheim zum Frankfurter Flughafen gefahren. Im Terminal 1 wird eine symbolische Stadtverordnetenversammlung abgehalten. Zum Schluss wird eine Resolution mit insgesamt zwölf Forderungen verabschiedet. Hauptanliegen der Resolution ist die Forderung nach Stilllegung der Nordwest-Landebahn. Bei der symbolischen Abstimmung über den Forderungskatalog heben auch alle CDU-Stadtverordneten die Hände. Später wird Marcus Reif, der Fraktions- und Parteichef der Flörsheimer Christdemokraten, bei seiner Ansprache heftig die hessische Landesregierung angreifen. Die Regierenden in Wiesbaden müssten zuhören, sonst würde ihnen bald keiner mehr zuhören. Ins gleiche Horn stoßen die Redebeiträge der Grünen sowie der Sozialdemokraten sowie der Freien Bürger. Allesamt sind die Stadtverordneten aus der Mainstadt der Meinung, dass die Belastungen über weite Teile ihrer Stadt fast schon Menschenverachtung dokumentieren.

Für Georg Gottas (Grüne Alternative Liste Flörsheim) ist es vor allem ein großer Anteil von “Größenwahn”, der bei der ehemaligen Regierungsmannschaft von Roland Koch dazu geführt habe, den Beschluss für den Bau der neuen Landebahn voranzutreiben. Der Kommunalpolitiker war einer der ersten Flörsheimer, der sich vor über 30 Jahren im Kampf gegen die Startbahn West engagierte. Die damalige Flughafenerweiterung war Auslöser für die Gründung der Grünen-Gruppierung in der Mainstadt. Georg Gottas nimmt mit Genugtuung zur Kenntnis, dass die CDU-Stadtverordneten auf die Linie der Landebahn-Gegner eingeschwenkt sind. “Vor zehn Jahren haben uns von der CDU viele für verrückt erklärt, wenn wir vor der Nordwest-Bahn warnten. Jetzt macht das keiner mehr.”

Bouffier-Vergleich

Als sein Gegenpart könnte der ehemalige Erste Stadtrat von Flörsheim und heutige CDU-Stadtverordnete Norbert Hegmann auftreten. Tut er aber nicht. Denn der Wickerer ist seit Jahren einer der engagiertesten Ausbaugegner. Zu Startbahn-West-Zeiten war dies noch anders. “Wir haben damals versprochen bekommen, dass ein Ausbau nicht über die Grenzen des Flughafens erfolgen wird. Dieses Versprechen wurde gebrochen”, erklärt Hegmann zum x-ten Male.

Auch der Galf-Stadtverordnete Peter Kluin demonstrierte vor über drei Jahrzehnten schon gegen die Startbahn West. Der Flörsheimer Kommunalpolitiker formuliert einen drastischen Vergleich. “Wenn Ministerpräsident Bouffier nachts ein achtjähriges Mädchen auf der Straße sehen würde, dann wäre er bestimmt darüber besorgt. Wenn die Kinder aber wegen des Fluglärms über der Stadt nicht mehr ruhig und ausreichend schlafen können, besorgt ihn dies anscheinend nicht.” Trotz aller Kritik an Volker Bouffier sieht der Stadtverordnete nun bei der schwarz-gelben Landesregierung “viel Bewegung” beim Problemfall Fluglärm.

“Herzlichen Dank”

Vor Beginn der symbolischen Stadtverordnetenversammlung – die “real” eine halbe Stunde in der Flörsheimer Stadthalle abgehalten wird – wuselten noch Fernsehleute und Rundfunkreporter im Terminal 1 umher. Doch bei der Übergabe der Resolution an Frank Cornelius, einen Fraport-Mitarbeiter für “politische Kommunikation”, sind dann fast nur noch Presse-Fotografen anwesend. Cornelius sagt nach dem Überreichen der Resolution “herzlichen Dank” zu Flörsheims Stadtverordnetenvorsteher Wolfgang Odermatt. Die Fraport werde nun “hausintern und mit den Anteilseignern darüber diskutieren”. Übrigens: Die Idee mit den Klappstühlen hatte ein Ex-Fraport-Mitarbeiter, nämlich Polit-Berater Reinhard Bölts. meh (meh)

Quelle: Höchster Kreisblatt vom 25. Januar 2012

Nachfolgende Fotos mit freundlicher Genehmigung von Christoph Boeckheler

Pressespiegel

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