Geschichtlicher Rundgang mit Bürgermeister und Historiker Dr. Bernd Blisch

Flörsheim – „Was in Frankfurt das Westend war, war in Flörsheim mal die Erzbergerstraße“, berichtete Bürgermeister Dr. Bernd Blisch (CDU) den Teilnehmern eines Rundgangs. Die Erzbergerstraße habe sich nicht nur durch besonders auffällige Häuser ausgezeichnet, sondern sei auch die erste voll gepflasterte Straße der Mainstadt gewesen, erläuterte der Historiker. Als Beispiele für herausragende Gebäude entlang der Straße nannte Blisch die frühere kaiserliche Post, die evangelische Kirche und die Flörsheimer Buchhandlung mit ihrem markanten Eckturm.

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Die CDU hatte zur informativen Begehung eingeladen, die die Fußgruppe vom Gesundheitscampus bis ans Mainufer führte. In der Vergangenheit stand bei solchen Besichtigungen eher die Altstadt im Fokus. Es gebe aber auch ein paar beeindruckende neue Bauwerke, die man näher vorstellen wollte, erklärte die Flörsheimer CDU-Vorsitzende Svenja Colak. Dass sich der Verwaltungschef dabei trotzdem ausgiebig der Vergangenheit der verschiedenen Standorte widmete, war ihm als Historiker und Vorsitzendem des Flörsheimer Heimatvereins nicht zu verdenken,

So holte Blisch gleich zu Beginn bis ins 19. Jahrhundert aus. Der Bürgermeister verwies auf den Arzt Dr. Matthias Klober, der sein Geld nach dem Tod im Jahr 1895 zur Hälfte an Mainz-Kastel und zur Hälfte an Flörsheim vermachte. Sein Vermächtnis habe es ermöglicht, dass 1904 eine Krankenhausvilla mit 18 Betten in der heutigen Hospitalstraße eingerichtet werden konnte. Der Betrieb des Krankenhauses, das im Zweiten Weltkrieg zerstört und wieder aufgebaut wurde, wechselte von den Dernbacher Schwestern zu den Dominikanerinnen und schließlich 2004 zur Marienhaus Gesellschaft. Nach der Schließung im Jahr 2017 übernahm Projektentwickler Molitor, der das Gebäude zum heutigen Gesundheitscampus entwickelte. Bernd Blisch verglich die Erneuerung im teils noch laufenden Betrieb mit einer „OP am offenen Herzen“.

Das Bahnhofsgebäude, das den Jugendtreff und neuerdings auch italienische Gastronomie beherbergt, stand bereits mehr als ein halbes Jahrhundert vor dem Krankenhaus. Historiker Blisch erinnerte daran, dass die Flörsheimer Ortsgrenze Anfang des 19. Jahrhunderts an der Obermainstraße verlief. Als der Bahnhof im April 1840 eröffnete, befand sich das Gebäude noch außerhalb der Grenzen. Böse Zungen könnten behaupten, der Bahnhof sei für Bad Weilbach gebaut worden, meinte Blisch. Dort sei 1838 das Kurhaus fertiggestellt worden, das von einer Kutschenverbindung zum neuen Bahnhof profitierte. Mit der Taunusbahn sei damals zwischen Frankfurt und Wiesbaden die älteste Linie Hessens in Betrieb genommen worden.

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Tagwerk statt Naherholung am Main

Nach weiteren Stopps vor der sanierten Rathausvilla und im neu gestalteten Stadtgarten endete die Führung in einem Bereich, an dem derzeit noch gearbeitet wird: Die Teilnehmer besichtigten das Mainufer. Bürgermeister Blisch bezeichnete die laufende Neugestaltung des Uferbereichs als eines der größten Projekte der vergangenen Jahre. Dort entstehen unter anderem eine Treppe und zwei Stege, über die Besucher näher ans Wasser gelangen. Der Steg auf der östlichen Seite solle bis Ostern fertiggestellt werden, so Blisch. Der Historiker führte auch aus, dass das Mainufer bis in die 1950er Jahre kein Ort gewesen sei, an dem Menschen spazieren gingen. Am Fluss sei gearbeitet worden. Die Gestaltung des Mainvorlands habe sich durch den Bau des Shell-Hafens in den Sechzigern gewandelt. Mit dem Aushub der großen Erdbewegungen sei der Uferbereich modelliert worden. 1975 stiftete ein Berliner Unternehmen den Berliner Brunnen. Das Wahrzeichen wird im Laufe der aktuellen Erneuerung saniert. Seine heutige Form mit Parkplätzen und der Mainstein-Skulptur erhielt das Flörsheimer Mainufer während der Altstadtsanierung der Achtziger Jahre, die auf Ideen von Stadtplaner Horst Thomas fußte.SASCHA KRÖNER

Quelle: Höchster Kreisblatt von Montag, den 2. März 2026


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