Höchster Kreisblatt: Gefahr von ganz oben

12. April 2013

In der Mainstadt sorgen die Wirbelschleppen für provokante politische Äußerungen fast aller Parteien

Während sich die Freidemokraten sowie die Freien Bürger noch bedeckt halten, zeigen Grüne, CDU und SPD schon einmal Flagge beim Thema Luftverwirbelungen.

HK_2013-04-12_(Wirbelschleppen)

Flörsheim. Nach fünf Vorfällen, die sich seit den Osterfeiertagen in der Mainstadt ereignet haben, wird nun auch der hessische Wirtschafts- und Verkehrsminister Florian Rentsch (FDP) aktiv. Der Liberale hat gestern eine Untersuchung der Häuserschäden angekündigt, „die von den Geschädigten auf die Wirbelschleppen landender Flugzeuge zurückgeführt werden“, wie ein Ministeriumssprecher erklärte. Hat es seine Zeit gedauert, bis die Wirbelschleppen-Ereignisse in der Landeshauptstadt größere Beachtung gefunden haben, so waren die Flörsheimer Parteien umso reger bei diesem Thema. Und schneller.

Strafanzeige angedroht

Die Grüne Alternative Liste Flörsheim (Galf) sowie die CDU reagierten am schnellsten. Beide Fraktionschefs äußerten sich sofort nach der bis dato letzten Wirbelschleppe am vergangenen Wochenende. Galf-Fraktionsvorsitzende Renate Mohr: „Nachdem es offenkundig nicht ausreicht zu demonstrieren, wird die Galf nun rechtliche Schritte gegen das fehlende Einschreiten des Verkehrsministeriums prüfen. Dieses muss verhindern, dass die öffentliche Sicherheit und Ordnung durch den Betrieb eines Unternehmens gefährdet sind. Da der Betrieb der Landebahn offenbar nicht möglich ist, ohne die Sicherheit zu gefährden, und somit die Bewohner unserer Stadt in akute Lebensgefahr bringt, muss das Ministerium endlich die Betriebsgenehmigung zurücknehmen.“ Die aktuellen Vorfälle würden neue Gefährdungstatbestände schaffen, die niemals mit dem Betriebsgenehmigung gedeckt sein können, ist die Galf-Frau überzeugt. Renate Mohr greift Florian Rentsch direkt an: „Wenn der Verkehrsminister sich weiter weigert, unsere Sicherheit wieder herzustellen, muss gegen ihn Strafanzeige wegen Untätigkeit und Leisten eines Meineids gestellt werden“. Bei seinem Amtsantritt habe der Minister gemäß Artikel 111 geschworen, die Verfassung des Landes Hessen zu befolgen und zu verteidigen. Und gemäß Artikel 3 seien die Gesundheit sowie das Leben des Menschen unantastbare Güter. Nach Artikel 8 sei zudem die Wohnung unverletzbar, und nach Artikel 6 sei jedermann frei, sich dort aufzuhalten wo er wolle. „Wenn der Aufenthalt im eigenen Garten und das Spazieren auf dem Bürgersteig zur Todesgefahr werden und der Minister diesen Zustand billigt, hat er versagt“, kritisiert Renate Mohr den FDP-Politiker.

Genehmigung aufheben?

Marcus Reif, CDU-Partei- und Fraktionschef in Personalunion, fasste kurz nach der wohl vorläufig letzten Wirbelschleppe in der Plattstraße die Häufung der Vorfälle zusammen: „Gerade in den letzten Tagen sind die Schäden und Auswirkungen von Wirbelschleppen durch landende Flugzeuge in Flörsheim sehr stark angestiegen. Wirbelschleppen sind keine Bagatelle. Oft hört man in Gesprächen ,Muss denn erst was passieren?’, und damit wird ein Personenschaden gemeint.“ Gar nicht auszudenken sei es, wenn ein durch Wirbelschleppen gelöster Dachziegel im Garten oder auf dem Gehweg auf ein Kind oder einen Erwachsenen falle. „Man muss mit dem Schlimmsten rechnen“, meint der Christdemokrat fast schon resigniert. Marcus Reif hat sich kundig gemacht, was da ständig aus der Luft die Flörsheimer bedroht und unter dem Begriff Wirbelschleppe schon lange ein typisches Phänomen in der Luftfahrt ist. Reif erklärte dazu: „Die Stärke der Wirbelschleppen korreliert mit Geschwindigkeit und Luftreibung, also auch mit der Größe und dem Gewicht des Flugzeugs. Unter bestimmten atmosphärischen Gegebenheiten können die Wirbelschleppen stark zunehmen. Gefährlich werden die Wirbelschleppen gerade in geringen Flughöhen, da diese Schleppen dann bis zum Boden wirken und eben Dachziegel anheben können.“ Einige Ruderer sowie Besucher des neuen Flörsheimer Friedhofs an der Philipp-Schneider-Straße hätten ebenfalls schon von Beeinträchtigungen berichtet.

Der CDU-Partei- und Fraktionschef Marcus Reif hatte am Tag nach der aufsehenerregenden Wirbelschleppe in der Plattstraße vor allem bestimmte Flugzeugtypen im Verdacht, die solche Luftverwirbelungen bei ihren Überflügen produzierten. Deshalb fordert der CDU-Chef: „So lange diese Gefährdung besteht, muss aus zwingendem Grund, und um weiteren Schaden abzuwenden, die Landegenehmigung dieser Flugzeugtypen auf der Nordwest-Landebahn aufgehoben werden.“

Flugzeuge am Horizont

Natürlich könnten Verklammerung und Vernagelung von Dachziegeln und Dachpfannen oder Fanggitter auf dem Dach, eine Eindämmung der Gefahren bewirken. Doch bis dies umgesetzt, die Finanzierung geklärt und die Hausdächer von Fachleuten entsprechend umgerüstet würden, gingen viele Wochen ins Land, meint Reif.

Bei einem Ortstermin möchten sich die Sozialdemokraten zum Thema Wirbelschleppen kundig machen und mit den betroffenen Hauseigentümern sowie Anwohnern in den entsprechenden Straßen sprechen. Am Samstag, 13. April, lädt der SPD-Ortsbezirk Flörsheim Stadtmitte aus diesem Anlass ab 14 Uhr zu einer Ortsbegehung. Treffpunkt für alle Interessenten ist der Bahnhofsvorplatz.

Bürgermeister Michael Antenbrink (SPD), SPD-Fraktionschef Wolfgang Pokowietz und SPD-Ortsvereinsvorsitzender Gerd Mehler wollen mit dem SPD-Landtagskandidaten Georg Einhaus, in der Eddersheimer Straße sowie in der Plattstraße unterwegs sein. Schwerpunktthemen sollen dabei die Belastungen sowohl durch den Straßenverkehr als auch durch den Luftverkehr sowie die immer wieder vorkommenden Wirbelschleppen sein. „Es kann nicht sein, dass sich Eltern innerhalb umzäunter Grundstücke oder im eigenen Innenhof Sorgen um ihre Sicherheit und die ihrer Kinder machen müssen, während diese spielen“, mahnt SPD-Ortsbezirksvorsitzender Franz Kroonstuiver. Doch wenn Flörsheimer der älteren Generationen den Horizont nach sich nähernden Flugzeugen absuchten, bevor sie auf die Straße gingen, würden Bilder „aus vergangen geglaubten Zeiten Realität“, erläutert Kroonstuiver.

Der Ortsbezirksvorsitzende kritisiert den derzeitigen Zustand bei den Flügen über das Stadtgebiet: „Natürlich wollen wir keine Kriegshandlungen relativieren, dennoch ist es bezeichnend, wenn man damit rechnen muss, aus sprichwörtlich ,heiterem Himmel’ von Trümmerteilen verletzt zu werden. Für den SPD-Ortsbezirk Stadtmitte-Keramag-Falkenberg ist dieser Status nicht hinnehmbar.“ Für die Flörsheimer auch nicht. (meh)

Quelle: Höchster Kreisblatt vom 12. April 2013

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