Main-Spitze: Erinnerungen an ein „schwarzes Nest“

30. November 2019

Flörsheimer CDU-Veteranen sprechen bei einem Treffen über die besten Zeiten für die konservative Partei.

„Wir waren die treibende Kraft“, fasste der ehemalige Erste Stadtrat Norbert Hegmann (80) die Erinnerung an die vergangenen Zeiten der Flörsheimer CDU zusammen. Gemeinsam mit einem Dutzend weiterer altgedienter Ehemaliger der Christdemokraten und einigen noch aktiven Mitgliedern sprach der ehemalige Erste Stadtrat über unlängst Vergangenes und Gegenwärtiges der konservativen Partei.Dass Flörsheim früher so ein „schwarzes Nest“ gewesen sei, war etwas Ungewöhnliches, da waren sich Hegmann und der ehemalige Bürgermeister Dieter Wolf (79) einig. Rund um Flörsheim – egal, ob nördlich oder südlich des Mains – regierten die Sozialdemokraten. Flörsheim dagegen war ausgemachte Festung der CDU und das in einem Ausmaß, wie es schon damals ungewöhnlich war.

In einer Zeit, in der die Union im Flörsheimer Parlament mit 23 von 37 Sitzen die absolute Mehrheit hatte, gab es keinen Anlass für Koalitionen – Bürgermeister und Erster Stadtrat kamen damals aus den Reihen der CDU.

Norbert Hegmann (hier im Jahr 1998) war ehemals Erster Stadtrat. Foto: Archiv

Norbert Hegmann (hier im Jahr 1998) war ehemals Erster Stadtrat. Foto: Archiv

Dieter Wolf (hier im Jahr 1997) war einst Flörsheimer Bürgermeister. Archivfoto: Merker

Dieter Wolf (hier im Jahr 1997) war einst Flörsheimer Bürgermeister. Archivfoto: Merker

Heinz-Josef Großmann (hier im Jahr 1998) war lange Fraktionsvorsitzender. Archivfoto: Kunz

Heinz-Josef Großmann (hier im Jahr 1998) war lange Fraktionsvorsitzender. Archivfoto: Kunz

Norbert Hegmann (hier im Jahr 1998) war ehemals Erster Stadtrat. Foto: ArchivEine absolute Mehrheit in einem Zwei-Parteien-Parlament sei natürlich nichts Besonderes gewesen, so der langjährige Fraktionsvorsitzende Heinz-Josef Großmann (92). Dass die CDU allerdings so dominant war, dagegen schon. Diese Vormachtstellung blieb sogar bestehen, als die Galf ins Parlament zog und vier Sitze gewann. Zwei davon musste die CDU abgegeben, obwohl damals die Wählerstimmen für die Christdemokraten nur von 55,7 auf 55,2 gefallen seien. Die absolute Mehrheit behielt die Partei.

Eine starke Partei, die die Führung übernimmt, das sei in jedem Parlament wichtig, da waren sich die Anwesenden, unter denen auch Stadtverordnetenvorsteher Michael Kröhle, Parteivorsitzender Jens Weckbach und Bürgermeister Bernd Blisch waren, einig. Dennoch sind diese Zeiten in Flörsheim nun vorbei. Die CDU ist nicht mehr die stärkste Fraktion – eine stärkste Fraktion im Sinne einer absoluten Mehrheit gibt es nicht mehr. Bürgermeister Bernd Blisch trat als Kandidat an, der von einem Viererbündnis unterstützt wurde, zu dem sogar die Galf gehörte. Wie ist es zu dieser Entwicklung gekommen?

Es lag nicht an der Arbeit der CDU, war man sich einig, sondern an viel allgemeineren Gründen. „Flörsheim kann sich auch nicht dem nationalen Trend entziehen“, lautete die Erklärung von Weckbach. Kröhle merkte an, dass sich über die Jahrzehnte die sozialen Milieus mehr und mehr auflösten und sich damit auch die klassische Parteibindung erledige. Beiden stimmten den ehemaligen Politiker der Runde zu. Hegmann betonte außerdem, dass Flörsheim eben eine Ausnahmeerscheinung in der Region gewesen sei und dass es zu erwarten war, dass es nicht immer von einer absoluten CDU-Mehrheit regiert werden würde.

Noch etwas habe sich in den vergangenen Jahrzehnten verändert: Die Kommunalpolitik ist weniger stark partei- und stärker personengebunden als früher, da waren sich die ehemaligen und aktiven Mitglieder einig. Dieter Wolf erinnerte sich zwar daran, dass es schon immer möglich gewesen sei, Parteigrenzen zu überwinden und auch mit der SPD konstruktiv zusammenzuarbeiten. Sogar als das Geschäft mit Einzug der Grünen härter geworden wäre, sei man immer um einen möglichst breiten Konsens bemüht gewesen. Trotzdem sei die Parteizugehörigkeit heutzutage noch weniger von Bedeutung, so Kröhle. Man sehe an den Ergebnissen der Kommunalwahlen, dass sehr wohl panaschiert werde, weil die Stimmen eben nicht pauschal einer Partei, sondern konkret einer Person gegeben werden sollen.

Quelle: Main-Spitze vom 30. November 2019

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