Main-Spitze: Zwischen Erleichterung und Lob

26. Oktober 2018

Von Jens Etzelsberger: Vertreter aller Parteien im Stadtparlament blicken auf die Amtszeit vom Michael Antenbrink zurück. Mit dem Monat Oktober endet nach zwölf Jahren auch die Amtszeit von Bürgermeister Michael Antenbrink (SPD). Wir haben Vertreter der im Stadtparlament vertretenen Fraktionen gefragt, was ihnen von der Ära Antenbrink im Gedächtnis bleiben wird.

Recht unversöhnlich geht dabei Marcus Reif mit der Ära Antenbrink ins Gericht. Reif war zehn Jahre lang CDU-Fraktionsvorsitzender, bevor er sein Amt Anfang des Jahres aus beruflichen Gründen an Christopher Willmy abgab. „Die Zeit des Alleinherrschers ist vorbei. Wir haben uns nur in die Haare gekriegt. Was soll ich da gut finden“, so Reif im Gespräch mit dieser Zeitung. Die zwei Dinge, in denen die CDU den Vorstellungen von Michael Antenbrink folgte, hätten sich im Nachhinein als Fehler erwiesen, so Reif weiter. Die Kulturscheune sei von den Vereinen lange nicht so angenommen worden wie zunächst geplant und die Ansiedlung der Spedition Rigterink im Industriegebiet West sei ebenfalls ein Fehler gewesen. „Was wir von Michael Antenbrink gelernt haben, ist tricksen und die Leute unter Zeitdruck vor das Loch zu zwingen, damit sie reinspringen.“

Deshalb habe er ganz bewusst viel Energie auf einen Wechsel verwendet. „Weitere sechs Jahre unter Michael Antenbrink wären eine Katastrophe gewesen. Ich habe nicht umsonst ein halbes Jahr meiner Freizeit in den Wahlkampf gesteckt“, so Reif weiter. Etwas Gutes will ihm auch bei intensiverem Nachdenken nicht einfallen. „Wenn ich nur an die Tricksereien beim Baugebiet Goldborn denke. Wenn das die CDU gemacht hätte, hätte man uns ans Kreuz genagelt“, so Reif. Er blicke aber nicht im Zorn zurück, sondern „voller Dankbarkeit in die Zukunft“. Erleichtert sei er aber auf jeden Fall. Reif betont auch, dass es sich dabei um seine persönliche Einschätzung handelt. „Das sind meine Erfahrungen mit Michael Antenbrink aus zehn Jahren in der ersten Reihe. Sie werden sicher, auch in der CDU, Menschen finden, die das freundlicher und konzilianter sehen.“

Auch das Fazit von Renate Mohr (Galf) fällt eher nüchtern aus. Sie sieht die Rolle eines Bürgermeisters grundsätzlich als nicht so prägend. „Ein Bürgermeister kann nichts machen ohne Gremien“, sagt sie. Bezogen auf Michael Antenbrink: „Er hat gemacht, was wir beschlossen haben und bei der Umsetzung hätte ich mir mehr Miteinander gewünscht.“ Sie habe Antenbrink zwar auch als guten Zuhörer kennengelernt, nachhaltigen Niederschlag in seinem Handeln hätten solche Gespräche aber nie gefunden.

„Ein hoher Schuldenberg, höhere Steuersätze, niedrigere Gewerbesteuereinnahmen, ein durch Logistiker verschandeltes Stadtbild“, zählt FDP-Fraktionschef Thorsten Press an „Leistungen“ von Michael Antenbrink auf. Dazu verschleppte Projekte wie die Kreiselgestaltung in Wicker und ein Feuerwehrgerätehaus in Weilbach, das die einfachste, aber nicht die beste Lösung sei. Die Informationspolitik von Michael Antenbrink sei schlecht gewesen, er habe kein Interesse an einer Diskussion um die beste Lösung gehabt, sondern ihm sei vor allem daran gelegen gewesen, seinen eigenen Willen durchzusetzen. Die Umgehungsstraße habe er weitergebracht, allerdings sei auch das viel transparenter möglich gewesen, so Press. „Er hat eine Reihe von Prozessen gegen eigene Bürger geführt, wollte immer mit dem Kopf durch die Wand.“

Positiv rechnet Press Antenbrink an, dass erst sein Verhalten den intensiveren Austausch der vier Parteien neben der SPD befördert habe. Thomas Probst (Freie Bürger) blickt differenziert auf die Amtszeit Antenbrinks. Die anfängliche Zustimmung zu einem tatkräftigen Rathauschef, der sich auch gegen die anfängliche Mehrheit der CDU durchzusetzen wusste, sei nach 2012 mehr und mehr der Skepsis gewichen. Die vergangenen sechs Jahre hätten gezeigt, dass die Arbeit mit Michael Antenbrink anstrengend und zeitintensiv sei und eigene Ideen nur schwer umsetzbar gewesen seien.

Ein Fazit ist für Probst, dass sich Antenbrink im Laufe seiner Amtszeit zu weit weg von den ehrenamtlichen Kommunalpolitikern und den Flörsheimer Bürgern entfernt habe. Für SPD-Parteichef Gerd Mehler, die Fraktionsvorsitzende Marion Eisenmann-Kohl ist derzeit in Urlaub, ist der Ausbau der Infrastruktur die prägende Hinterlassenschaft der Ära Antenbrink. „Gewerbeansiedlungen, der kreisweit höchste Zuwachs an Arbeitsplätzen und qualifizierten Ausbildungsplätzen, Tempo-30-Zonen – Flörsheim ist zukunftsfähig gemacht worden“, so Mehler.

Quelle: Main-Spitze vom 26. Oktober 2018

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