Die Stadtverordnetenversammlung der Stadt Flörsheim am Main hat mit den Stimmen aller Fraktionen eine Resolution gegen die geplante Änderung des Betriebskonzepts des Frankfurter Flughafens beschlossen. Der Beschluss richtet sich gegen die vorgesehene verstärkte Nutzung der Nordwestabflugrouten bei Westwetterlage – eine Änderung, die für Flörsheim am Main erhebliche zusätzliche Belastungen bedeuten würde.

Der Frankfurter Flughafen plant eine Anpassung seines bestehenden Betriebskonzepts aus dem Planfeststellungsbeschluss von 2007. Nach den vorliegenden Planungen soll der Flugverkehr über die Nordwestabflugrouten bei Westbetrieb künftig deutlich verstärkt abgewickelt werden. Flörsheim am Main zählt schon heute zu den am stärksten fluglärmbelasteten Kommunen Deutschlands – bislang vor allem durch Landungen bei Ostbetrieb, die durch klimatische Veränderungen in den vergangenen Jahren spürbar zugenommen haben. Eine zusätzliche Verstärkung der Überflüge durch die Nordwestrouten würde diese Belastung für unsere Bürgerinnen und Bürger auf ein nicht mehr hinnehmbares Maß erhöhen.

Die zentralen Kritikpunkte der Resolution

Gebrochenes Versprechen: Beim Bau der Landebahn Nordwest wurde den Menschen in Flörsheim am Main im Planfeststellungsbeschluss von 2007 ausdrücklich zugesichert, dass Doppelbelastungen durch An- und Abflüge vermieden werden. Dieses Versprechen war zentraler Bestandteil der damaligen Akzeptanz für das Projekt. Die Stadtverordnetenversammlung stellt fest, dass dieser Punkt in der aktuellen Stellungnahme des Hessischen Wirtschaftsministeriums nur unzureichend berücksichtigt wird.

Fehlende Berücksichtigung der Höchstbetroffenheit: Die Prüfung des zuständigen Ministeriums stellt bislang allein auf die Gesamtzahl der von Fluglärm betroffenen Menschen in der Region ab – die besondere Höchstbetroffenheit der Flörsheimer Bevölkerung bleibt dabei unberücksichtigt. Die gesundheitlichen Risiken durch zusätzlichen Fluglärm sind unter anderem durch die NORAH-Studie wissenschaftlich belegt.

Massive Siedlungsbeschränkungen: Nach derzeitigem Kenntnisstand wären rund 85 Prozent des Flörsheimer Stadtgebiets von Siedlungsbeschränkungen betroffen. Eine städtebauliche Entwicklung wäre damit faktisch nur noch im nordöstlichen Teil von Weilbach möglich. Die Stadtverordnetenversammlung sieht darin einen schwerwiegenden Eingriff in die kommunale Planungshoheit und Zweifel an der Vereinbarkeit mit Artikel 28 Absatz 2 des Grundgesetzes.

Was die Stadt jetzt unternimmt

Die Stadtverordnetenversammlung hat beschlossen, alle politischen, rechtlichen und verwaltungsseitigen Mittel auszuschöpfen, um gegen die Planungen vorzugehen. Dazu gehören unter anderem:

  • die Prüfung rechtlicher Schritte gegen die geplante Änderung des Betriebskonzepts sowie gegen den Planfeststellungsbeschluss von 2007,
  • die Prüfung einer Verfassungsbeschwerde bzw. Grundrechtsklage vor dem Bundesverfassungsgericht,
  • die Bereitstellung der dafür erforderlichen finanziellen Mittel,
  • die enge Zusammenarbeit mit den Nachbarkommunen Hochheim am Main, Hattersheim am Main sowie dem Main-Taunus-Kreis, mit Bürgerinitiativen und Verbänden.

Zudem fordert die Stadtverordnetenversammlung von Land Hessen, Bundesaufsichtsamt für Flugsicherung, Deutscher Flugsicherung und Fraport AG unter anderem eine Rückkehr zu den Grundsätzen des Mediationspakts, die Einhaltung des ursprünglichen Migrationsplans (rund 2 % statt bis zu 30 % Abflüge über die Nordwestrouten), die Beibehaltung der ursprünglichen Südumfliegung sowie eine Optimierung des Abflugverfahrens – etwa durch das lärmärmere NADP1-Verfahren, wie es beispielsweise in Düsseldorf bereits eingesetzt wird.

Bürgerversammlung am 3. September in der Stadthalle

Die Stadt Flörsheim am Main lädt alle Bürgerinnen und Bürger zu einer Bürgerversammlung zum geplanten Flughafen-Betriebskonzept ein:

Donnerstag, 3. September 2026

19.30 Uhr Stadthalle Flörsheim am Main, Kapellenstraße 1

Angefragt sind Vertreter des Hessischen Wirtschaftsministeriums sowie der Fraport AG. Bürgermeister Dr. Bernd Blisch und die Fraktionssprecherinnen und -sprecher – darunter für die CDU-Fraktion Marcus K. Reif – stehen für Fragen zur Verfügung. Im Anschluss besteht die Möglichkeit, direkt mit den Stadtverordneten und Magistratsmitgliedern ins Gespräch zu kommen.

Die CDU-Fraktion ruft alle Flörsheimerinnen und Flörsheimer dazu auf, an der Veranstaltung teilzunehmen und sich ein Bild von den Auswirkungen der geplanten Änderungen zu machen. Nur mit einer breiten Beteiligung der Bevölkerung können wir unserer Stadt in diesem wichtigen Anliegen Gehör verschaffen.

Weitere Informationen und Details zur Bürgerversammlung


Die vollständige Resolution wurde am 29. Mai 2026 von der Stadtverordnetenversammlung Flörsheim am Main einstimmig beschlossen und den zuständigen Bundes- und Landesbehörden, dem Hessischen Wirtschaftsministerium, der Fraport AG sowie der Deutschen Flugsicherung zugeleitet.


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